Capsticker, Yo.

Georg Stadler


Es ist Originalität die für uns wichtig wurde. Wir wollen uns mit Originalität schmücken. Sei es nun geistige oder materielle Originalität. Das macht keinen Unterschied und ist auch in keinster Weise zu verurteilen. Im Gegenteil.

Ersteres ist ein durchaus erstrebenswertes Ziel. Letzteres machen wir eher unterbewusst. Zumindest so unterbewusst, dass wenn darauf angesprochen, meist keine schlüssige Antwort gegeben werden kann. Bei dem einen muss es der Turnschuh mit den drei weißen Streifen sein. Des anderen Mobiltelefon muss ihm wie einst bei Newton vom Apfelbaum auf den Kopf herabfallen.

Bevor wir uns aber mit diesen Dingen schmücken dürfen, muss zuerst die Hürde des Preisschildes geknackt werden. Dies stellt an sich selbst für manche ein Erfolg da. Warum sollte man sich jetzt also nicht auch noch ein kleines, für alle Außenstehenden erkennbares Requiem für den Sieg gegen den Verstand und den Geldbeutel zulegen? Oder in diesem Fall: Dran lassen.

Machen wir es doch einfach wie die Kids auf den Strassen. Sie machen sich ein komplexes System zunutze, das nicht nur die Originalität ihrer Kleidungsstücke garantiert, sondern zugleich auch den legitimen Erwerb bezeugt. Sie lassen den Sticker dran. Diese kleinen, runden, goldenen Sticker, die nicht mehr als eine Größenangabe und das Logo der Marke beherbergen.

Angefangen hat das Ganze einmal mehr in den USA. HipHop- und Rap-Idole machten es vor, die Kids in aller Welt zogen nach, indem sie nicht abzogen. Es sind diese Sticker, die dem Besitzer und dessen Gegenüber das Gefühl vermittelten sollen, dass man es nicht mit gefakter oder gar Hehlerware zu tun hat. Es soll also einen indirekten Blick in die Brieftasche des Trägers geben und deren gewünschten Inhalt repräsentieren.

Dieses Kuriosum ist längst nicht mehr nur an Kopfbedeckungen zu finden. Dann ist es auch nicht mehr das unschuldige kleine, goldene Stickerchen. Nein, man kann immer noch einen draufsetzen und alles komplett ad absurdum führen. (Wenn einem es momentan noch nicht absurd genug ist.) In speziellen Fällen wird gar das Preisschild an egal welchem Ding nicht mehr abgerissen, sondern stolz zur Schau gestellt.

Hier kann es dann auch schon gar nicht mehr um den Wert oder den bezahlten Preis der Ware gehen. Es ist nichts weiter als eine Übertreibung des Trends. Man würde den Cap-Herstellern raten, ihren Produkten schon einmal Sicherheitsklammern beizulegen. Nur für den Fall, dass man sich demnächst den Kassenbon an den Hut stecken will.