Alles Jute, oder was?!

Jana Spädtke


"Tanzen ist auch Sport", "Lieber doof als Jürgen heißen", "Der Teufel trägt Zara" oder "I lost my heart in Bavaria". Solche und ähnliche Sprüche findet man zur Zeit als Motiv auf Tragetaschen, wie man sie eher von Anhängern der Ökobewegung der 80er kennt.

Wer hätte gedacht, dass es die angestaubte Jutetragetasche noch einmal zu einem hippen Modeaccessoire bringen könnte? Junge Designlabels wie "we make the cake" bringen die Stoffbeutel wieder auf die Straßen. Simple, einfarbige Taschen, die sich mit bissigen, ironischen Sprüchen über allerlei Nonsens lustig machen.

Am berühmtesten ist der Taschenspruch "George Gina und deine Mudder". George Gina & Lucy ist eine erfolgreiche Taschenmarke, im Laden nicht unter 90 € zu haben. Der Spruch funktioniert vor allem wegen der Bekanntheit und dem Image des Labels. Ist die offensichtliche Abschätzigkeit gegenüber der Marke ein Statement einer vermeintlichen Luxusabkehr oder doch der geheime Wunsch nach einer Edeltasche? Ein ebenso beliebter Text, "my other bag is from Chanel", macht sich nicht über die Marke lustig, sondern rechtfertigt zynisch den offensichtlichen Mangel an Prestige. Ob nun aus Überzeugung oder finanziellen Gründen - mit dem Stoffbeutel für 5€ kann man lässig viel Geld sparen.

Woher kommt der Erfolg der Taschen? Ist es wieder einmal der Wunsch nach Individualisierung? Denn der Tragekomfort kann nicht der Grund sein – zu dünne und zu kurze Träger schneiden ein, weder Innentasche noch andere Ordnungssysteme organisieren den Inhalt. Die positive Ökobilanz könnte das Gewissen des Käufers beruhigen. Denn ein Stoffbeutel aus Jute oder Baumwolle sollte mehrmalig benutzt werden und verrottet im Gegensatz zur Plastiktüte schnell. Deswegen war die Jutetasche einst ein unmissverständliches Statement für die Umweltpolitik. Mit Sonnenblumen und Pflanzenmotiven bedruckt polarisierte sie. Das Motiv der Tasche war nebensächlich, es ging um die Aussage. Heute zählen der Look und die damit verbundene Zugehörigkeit zum bestehenden Trend.

So oder so - die Beweggründe, einen unkomfortablen Stoffsack mit sinnfreiem Text zu besitzen, bleiben unklar. Cool waren die wenigsten Wortspiele dieser geistreichen Sprüchepoeten, und auf Kleidungsstücken erst recht nicht – weder auf T-Shirts, Jeansjacken oder Taschen. Aber wie es so schön auf einer Tasche heißt:

"relax, it's just a bag"